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- Samstag

Die Umwelt braucht Chemiker

Grüne Blätter einer Pflanze
Naturschutz ist auch für Chemiker wichtig
Wie oft haben wir das schon gehört: "Das ist doch pure Chemie!" - "Die Chemie verpestet die Natur!".

Unter den Naturwissenschaften genießt die Chemie wohl den schlechtesten Ruf. Doch so einfach funktioniert die Welt nicht, denn nicht alles natürliche ist gut und alles synthetische schlecht.

Menschen, die die Chemie verteufeln, tragen dann T-Shirts aus Polyester, eine Jacke aus synthetischem Leder, die Sonnenbrille aus Polyethylen und riechen nach Deo und Hautcremes von der Pharmaindustrie.

Das "natürliche Aroma" in Lebensmitteln ist zwar chemisch identisch mit den Stoffen aus der Natur, wird aber meistens anders hergestellt. Kaum ein "natürliches Apfelaroma" hat jemals einen Apfel gesehen. Das natürliche bezieht sich darauf, dass z.B. im Labor gezüchtete Bakterien oder Schimmelpilze verwendet wurden, anstatt einer chemischen Synthese. Mit natürlichen Äpfeln aus Mutter Natur hat das nichts mehr zu tun. (Quelle: natürliche Aromastoffe im Zusatzstoff Lexikon)
Früher war alles besser
Die Natur muss bewahrt werden, das wissen alle. Doch der Chemie war das nicht immer so bewusst. Beispielsweise wurde die Landwirtschaft schon immer von verschiedenen Schädlingen bedroht, die die Ernte auffraßen oder ungenießbar machten. Chemiker entwickelten gegen diese Schädlinge bestimmte Insektizide, mit dem einfachen Ziel die Schädlinge zu bekämpfen.

Diese Insektizide reicherten sich allerdings in in der Nahrungskette an und waren giftig für Mensch und Umwelt, sodass sie zum Glück verboten wurden. Aber wer war in der Lage das Gefahrenpotential von diesen Chemikalien einzuschätzen und mit den Gefahrenstoffen umzugehen? Chemiker. Sie verursachten das Problem zwar, beseitigten es aber auch.
Die Chemie macht nicht nur kaputt  
Natürlich gibt es unzählige Chemikalien, die giftig für die Umwelt sind. Aber die Chemiker sind auch diejenigen, die der Umwelt helfen damit umzugehen und grüne Alternativen schaffen. Sie verstehen die genauen Vorgänge vom Recycling oder die Auswirkungen vom CO2 im Klimawandel.

Im Fall der Landwirtschaft wurden durch Chemiker Pheromone entwickelt, die die Schädlinge von den Nutzpflanzen fernhalten. Dadurch muss man die Pflanzen selbst nicht direkt einsprühen. 

Ein anderes Beispiel ist Baumwoll- gegen Polyesterkleidung: Baumwolle ist rein natürlich und Polyester wird synthetisch aus Erdöl hergestellt. Doch das Polyester ist schonender für die Umwelt!

Die Studie "Well dressed?" der Cambridge Universität zeigt Polyester als eine Möglichkeit des Klimaschutzes. Bei der Herstellung von Polyester wird zunächst viel CO2 ausgestoßen, aber danach wieder viel davon eingespart. Denn Polyester Kleidung trocknet schneller und braucht damit seltener den Trockner, muss allgemein seltener gebügelt werden und kann bei tieferen Temperaturen gewaschen werden als ihre Baumwoll-Gegenstücke. 
Fazit - von Frostschutzmitteln und Windeln
Synthetisch hergestellte, industriell destillierte oder in Laboren gezüchtete Stoffe kommen überall im Alltag vor. Sie wegen des Umweltschutzes gänzlich zu verteufeln ist falsch, denn die Industrie setzt schon lange auf grün: Biokraftsoffe, Biokunststoffe, Wasserstoffzellen in Autos, bessere Dämmungen für Häuser usw.

Synthetische Chemikalien wie die Superabsorper-Polymere von z.B. BASF sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie werden in Windeln eingesetzt und saugen Flüssigkeit auf. Oder Frostschutzmittel für Autos, Arnzneimittel generell oder Plastikgegenstände liefern alle einen Lebensstandard, auf den keiner mehr verzichten will.

Was denkt Ihr darüber, ist die Chemie gefährlich oder nützlich für die Umwelt? Oder von beidem etwas?

Bild: Tillti
Quelle: Persistent Organic Pollutants / Well dressed? Studie an der Cambridge Universität

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